Donnerstag, 16. September 2010

Jämtlandstriangeln

Hallo liebe Blog Leser,

endlich habe ich mal wieder etwas spannendes Neues zu berichten. Letztes Wochenende war ich mich mit Nathalie und 5 Menschen, die ich beim Sprachkurs kennen gelernt habe, im schwedischen Fjäll wandern. Davon will ich euch nun berichten. Zuerst aber noch einmal ein paar Dinge die nichts mit dem Jämtlands Triangeln zu tun haben.

Heute haben Nathalie und ich ein super tolles Paket aus Deutschland erhalten, mit vielen tollen Sachen. Unter anderem Schäufele... (für die die nicht wissen was es ist, es ist ein Stück echt leckeres Fleisch, eingelegt in leckerem Sud. Eines meiner Lieblingsessen). Das hat mich am meisten gefreut. Das gibt es am Sonntag mit schwäbischem Kartoffelsalat. Vielen Lieben Dank Mama Michelfelder.
Danke auch für die Kommentare, ich lese bestimmt so gerne Kommentare wie ihr meinen Blog. Und Conny, ich bin mir selten bewusst, dass ich doch schon einiges an Dialekt spreche. Heute hat es übrigens auch nur 8°C und regnet. Aber das ist gerade normales Wetter.

Uni habe ich gerade nur einen Kurs und da treffen wir uns im Schnitt alle 2 Wochen einmal. Immer abwechselnd eine Vorlesung und danach einen ganzen Tag Seminar, in dem jeder ein Buchkapitel vorstellt. Daran arbeite ich gerade. Obwohl ich ja Englisch ganz gut kann und es auch aus Trier gewöhnt bin, ist es schon nicht so ganz einfach. Liegt vielleicht auch an meinem Thema. Individuelle Unterschiede in der Performanz und Fähigkeiten Psychologie, auf Arbeitspsychologie bezogen. Dies sind viele kognitive Theorien die ich in Trier schon hatte, die sich auf englisch irgendwie viel komplizierter anhören. Aber ich will euch mal nicht mit meinen Studieninhalten langweilen. Nächste Woche fängt mein Schwedischkurs an und mein Idrottspsykologi Kurs. Also Sportpsychologie. Das ist mein einziger (nicht Pflicht, sondern freiwillig) Kurs auf Schwedisch. Für mein Studium brauche ich den nicht. Aber mich interessiert Sportpsychologie sehr und in Trier kann man das nicht machen. Außerdem hoffe ich dadurch besser Schwedisch zu lernen. Apropos Sport, Östersund ist eine richtige Sportstadt. Hier ist das Langlauf und Biathlonzentrum Schwedens. Erstes Dezemberwochenende ist auch Biathlon Weltcup, da freue ich mich drauf. Hier ist alles etwas Sport verrückt. Ich hoffe ich kann mir es bald leisten ins Fitnessstudio zu gehen (das ist ca 100m von meiner Hütte weg, erwähnte ich das schon? Ich hoffe dadurch sinkt die Hemmschwelle hinzugehen...). Das Leben ist hier schon teuer im Vergleich zu Deutschland und so muss man mit seinem Geld gut haushalten.


So, nun aber mal zum Jämtlandstriangeln. Dem Jämtland Dreieck. Das ist eine Wanderung zwischen drei Fjällstationen (außgesprochen: Fjällstachuhn. Alles was auf -tion endet wird "-chuhn" ausgesprochen) im jämtländischen (mein Bundesland hier. Zusammen mit Härjedahlen (nebendran) ist es von der Fläche ein Drittel größer als die Schweiz, hat aber nur 160 000 Einwohner. Ja da wohne ich, im schwedischen Nichts. Allerdings in der Hauptstadt des schwedischen Nichtses, deshalb geht es auch schon wieder) Fjäll.

von Links: Malte, Tim, Vincent, Nina, Sinai, Nathalie & Thomas
Tim beim Rucksack wiegen
Am Freitag Abend sind alle bis auf Nina angekommen und wir haben zu 6 in meiner kleinen Hütte geschlafen. Das war sehr nett. 6 Leute passen auf jeden Fall in meine Hütte :-). Sinai hatte Geburtstag also haben wir noch kurz gefeiert. Dann haben wir uns zur Lagebesprechung zurückgezogen und die Karte und die Wettervorhersage studiert. Das eingekaufte Essen verteilt und nochmal geduscht. Um 6:00 am nächsten Tag hieß es dann aufstehen und zum Zug laufen. Am Bahnhof haben wir dann Nina getroffen, die mit dem Nachtzug aus Stockholm gekommen ist. Dann ging es weiter mit dem Zug. Unser Ziel war Enafors (gesprochen: Enaforsch. "rs" wird im Schwedischen immer wie rsch oder nur sch ausgesprochen, irgendwas zwischendrin), ein kleiner Bahnhof. Von dort aus sollte uns dann ein Bustaxi nach Storulvan bringen, wo die Wanderung los geht. Leider mussten wir mit dem Zug eine Stunde zwischendrin an einem Bahnhof warten, weil ein vorausfahrender Zug nicht durch ein Tal kam, in dem Wasser auf den Schienen liegt. Zumindest hatten wir das so verstanden. Mit einer Stunde Verspätung kamen wir dann in Enafors an. Enafors ist ein Bahnhof mit 2 Häusern drumrum. Sonst nichts. Wir hatten unser Taxi angerufen und Bescheid gegeben, dass wir später kommen. Mit etwas Verspätung kamen wir dann in Storulvan an. Eine riesige Fjällstation, ziemlich großer Parkplatz voll mit Austos von ziemlich vielen Leuten. Wir sind also nicht alleine im Fjäll, dachte ich mir. Bevor es los ging haben wir uns noch eine Karte kaufen müssen, weil wir unsere verlegt haben. Dann noch Rucksack wiegen und los ging es.
Der erste Tag war wirklich sehr windig. Wir sind manchmal fast umgepustet worden. Unser Ziel war die Fjällstation Sylarna, vor dem berühmten Sylarnamassiv. Es sollten 17 Kilometer sein, ca 450 m nach oben. Also nicht zu viel und nicht zu wenig. Aber mit 17 kg Rucksack auch nicht zu einfach. Am Anfang sind wir durch schöne Birkenheine gelaufen. Die Farben sind schon herbstlich Gelb. Wunderschön!
Birkenhein bei Storulvan

Es ging aber auch hier schon stetig Berg auf, und die Bäume waren bald verschwunden. Auf dem Boden wächst Blaubeere und Lingon (Preiselbeere). Aus Lingon macht man Marmelade die man zu wirklich allem essen kann. Ich mache das auch. Unglaublich lecker. Schmeckt aber bischen süßer als die Preiselbeeren die man in Deutschland zum Fleisch ist. Auch wenn man Lingonsylt (Marmelade) auch zu Fleisch ist.

Lingon Pflanzen





















Sobald die Bäume weg waren hat auch der Wind schon angefangen. Aber dank meiner neuen Alpin Jacke kam bei mir nichts durch. Umgepustet wurde ich trotzdem fast.  Hier noch einmal zwei Bilder wie es am ersten Tag am Anfang meist aussah:

Die 17 km waren dann doch ganz schön viel, da man im Fjäll nicht so richtig schnell voran kommt. Der Schlussanstieg zur Sylarna Fjällstation wurde dann für mich zur Hölle. Irgendwie dachte ich die ganze Zeit ich schaffe das nicht. Aber Nathalie und Schokolade haben mich am Ende in bestimmt 2h die 3km hoch geschafft. Oben haben wir uns dann kurz ausgeruht und dann haben wir beschlossen wieder runter zu gehen für die Nacht. Na toll, nach dem ich mich da hoch geschleppt hatte...

Aufstieg zur Sylarna Fjällstation

Sylarna Fjällstation

Schlafplatz
Unter diesem Gletscher haben wir geschlafen

Nocheinmal Schlafplatz

Rentiere waren auch anwesend...
Die Nacht war eine ganz spezielle. Da es schon Tagsüber so windig war, konnte man sich ja ausmalen wie es sein würde. Also haben wir einen Platz gesucht der so geschützt wie möglich ist. Oben sieht man auch schön die Bilder, wir haben in der Schlucht am Fluss gezeltet. Trotzdem war es unglaublich windig, unser Zelt (das rote) ist ja schon ganz gut auch für Wind ausgelegt. Aber diese Nacht hat es gezittert. Wir haben nicht so viel geschlafen. Aber vor allem weil das Zelt neben dran unglaublich im Wind flatterte und das sehr laut war. Ich dachte mitten in der Nacht wir müssen die Tour abbrechen und zurück. Aber am nächsten Morgen haben wir dann etwas länger geschlafen und der Wind war dann auch weg. Dann ging es nach einem Frühstück auf die mittlere Etappe nach Blahammeren. Dieser Tag war sehr regnerisch und wir sind meistens im Matsch gelaufen. Spaß hat es trotzdem gemacht. Die Etappe war 19 km lang und ging ähnlich bergauf wie die letzte. Aber an diesem Tag ging es für mich besser, ich habe auch immer darauf geachtet zwischendrin Müsliriegel zu essen. Aber hier ein poar Impressionen von Tag 2:

Wenn man genau hinschaut sieht man ein Rentiergeweih auf meinem Rucksack, das wir gefunden haben


Die beiden vorne sind Nathalie (rot) und ich (gelb)
Die nächste Nacht war deutlich ruhiger und wir haben super geschlafen. Wir waren nicht ganz bis zur Blahammaren Fjällstation aufgestiegen, um nicht auf dem Berg oben zu schlafen - wegen des Windes. Am nächsten Morgen sind wir dann auf den Berg hoch. Die Fjällstation war super. In den Stationen kann man (für viel Geld) übernachten und essen. Dann muss man nicht so viel schleppen. Dadurch wird die Tour einfacher. Aber das wollten wir ja nicht. In dieser Fjällstation mitten auf dem Berg war eine Sauna mit einem riesig großen Panoramafenster, durch dass man bestimmt 70 km weit über das Fjäll gesehen hat. Irgendwann gehöre ich auch mal zu den Leuten, die sich sowas dann leisten können  ;-)

Schilder...

Blahammaren Fjällstation

Gruppenbild auf dem Rückweg
Kreative Ader
Der Rückweg ging fast nur runter. Das war allerdings auch sehr anstrengend! Einmal mussten wir einen Fluss überqueren und haben keine gute Stelle gefunden (die Hälfte von uns). Also sind wir durchgewatet. Kein Problem mit meinen Wanderschuhen, war nicht tief. Aber für Tim. Er wollte springen und vorher seinen Rucksack werfen. Ich sollte ihn fangen. Ging schief. Rucksack und ich waren nass.. ;-)

Irgendwann kamen dann auch die Bäume zurück und wir an der Storulvan Station wieder an. Da war erstmal Stromausfall. Nach einer Stunde sind wir mit ca. 100 anderen Leuten im Bus wieder nach Enafors gefahren. Die sind aber alle mit dem teuren Nachtzug nach Stockholm. Wir sind 90 Minuten später mit dem günstigen zurück nach Östersund. In der Wartezeit haben wir das letzte Gas verbrannt und eine leckere Mahlzeit verdrückt (Nudel mit Pesto). 

kochen in Enafors
Bis auf Tim, der gleich weiter nach Stockholm ist, haben wir noch eine Nacht in meiner Hütte geschlafen. 

Es war eine sehr schöne Fjällwanderung. Ich hoffe ihr könnt durch Bilder und Berichte ein bisschen mit dabei gewesen sein. Das war es jetzt mit meinem Blogeintrag für dieses mal!

Euer

Malte

3 Kommentare:

  1. Meine lieben Abenteuerkinder,es wird so bildlich alles wiedergegeben, das man fast dabei sein kann.Also mutig ist garkeine Frage!!Die Bilder...wunderbar.Diese Erlebnisse kann Euch keiner nehmen und sicher werden sie jeden Tag anders ausgehen.Müde...und man freut sich es geschafft zu haben.Ihr wart sicher auch eine tolle Gruppe.
    Danke für die lieben Zeilen.Kartoffelsalat gibts dann wieder zu Hause!
    Herzliche Grüße Mama Susanne Papa Klaus

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  2. toller Bericht! Fühlt sich nach bischen dabei sein an, das ist schön.

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  3. Das ist ja wirklich beeindruckend, was ihr da so erlebt habt. Und tasächlich, du schreibst so plastisch, dass es leicht ist sich einzufühlen. Auch macht es Lust auf einen Besuch.
    Die Spätzlesmaschine geht dieser Tage auf die Reise, dann kanns losgehen mit Heimatgefühl.

    Freu mich schon auf den nächsten Bericht.

    Einen dicken Mamakuß euch beiden

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